Erfahrung Garmin Camper Navigation

Sonst bin ich ja eher der Typ nicht meckern, sondern lieber gute Produkte vorstellen - beim Garmin Camper LMT-D muss ich sagen, für unseren Zweck leider ein Fehlkauf. Dank des tollen Garmin Supports auch das letzte Gerät des Herstellers.

Aber der Reihe nach. Nach unserem ersten Wohnwagen-Urlaub haben wir festgestellt, dass Handy-Navigation für den PKW zwar ok ist, abe r mit einem Wohnwagen im Schlepptau eine vernünftige Offline-Navigation mit idealerweise einem großen Display schöner. Meistens haben die Handys genau dann gehakt, wenn man kurz vor dem Ziel war. Beispielsweise weil der Empfang kränkelte, das Google Maps irgendwelche Beschränkungen nicht kannte oder das die Navigations-App sich aufgehangen hatte oder einfach weil gerad ein Anruf rein kam. 

Lange Rede - kurzer Sinn

ein richtiges Navigationssystem sollte her. Also beim Versender des Vertrauens geschaut und den einen oder anderen Testbericht gelesen. Richtig überzeugend war kein Navigationsgerät für Wohnwagen, von den Features her sprach alles für das Gerät "Garmin Camper 760 LMT-D". Von der Garmin-Homepage beworben für Wohnmobil und Wohnwagen zum stattlichen Preis von gut 300 EUR. 

Ausstattungsmerkmale:

  • Europaweite Karten mit Zusatzinformationen für Camper (also z.B. Durchfahrtsbeschränkungen) 
  • Lebenslange Updates / Kartenupdates
  • Verkehrsupdates mit DAB+
  • Bluetooth mit Smartphone-Link für weitere Verkehrsinformationen und
  • Nutzung des Geräts als Freisprechsystem

Beschreibung Garmin

Camper-spezifische Routenführung

Der Camper 760LMT-D beinhaltet vorinstallierte Europa-Detailkarten, die Höhen- und Gewichtsbeschränkungen sowie weitere Camper-spezifische Informationen für die meisten Hauptstraßen und Autobahnen enthalten.

Geben Sie einfach Ihr Fahrzeugprofil ein (Höhe, Gewicht, Länge, Breite) und Sie erhalten Routen, die für Ihr Wohnmobil oder Ihren Wohnwagen geeignet sind

Lieferung, Inbetriebnahme

Schnell war das Gerät geliefert und ausgepackt. Vor einer weiteren Verwendung erfolgt als IT-affiner Anwender erstmal ein Firmware- und Karten-Update. Da ich ein Garmin Dakota 20 für Geocaching und Mountainbike besitze war das Update auch kein Problem. Die Garmin-Software ist da schon sehr anwenderfreundlich. Installieren, Gerät anschließen und die Software ermittelt alle notwendigen Updates. 

Danach ging es an die Einstellungen. Das Camper 760 kennt zwei Nutzungs-Modi - den PKW-Modus sowie Wohnmobil/Wohnwagen-Modus. So kann man es universell auch im PKW verwenden. Für jeden Modus können individuelle Profile wie Länge, Größe, Breite und Gewicht angelegt werden. Auch kleinere Einstellungen wie Warnton bei Geschwindigkeitsüberschreitung an/aus und Routenpräferenzen (kürzeste, schnellste) sind hier einzustellen. 

Weiterhin kann man eine Bluetooth-Verbindung zu seinem Smartphone einrichten - hierfür gibt es eine passende App von Garmin. Diese besorgt dem Navigationssystem beispielsweise zusätzlich zum Verkehrsfunk Informationen zu Baustellen, Staus, Wetter und auch Tankstellenpreise.  Ebenso kann man durch die Kopplung auch das Navigationsgerät als Freisprecheinrichtung benutzen. 

Auch gut gelöst sind Zusatzfunktionen unter dem Stichwort Apps, etwa Benzin-Preise der nächsten Tankstellen.

  

sowie die Routenplanung vor ab

 Garmin Camper Routenplanung mit Zwischenzielen

Praxis-Test I 

Der erste Test natürlich im Wohnwagen-Profil, nur eine uns bekannte Strecke von 15km, die soweit bekannt keine Schikane für Wohnwagen enthält. Nachdem Erfassen der Adresse ermittelt das System die schnellste Route und zeigt die voraussichtliche Ankunftszeit. Rechtzeitig vor einer Kreuzung die Aufforderung zum Abbiegen mit schönen Grafiken z.B. welche Spur genommen werden muss. Gut gelöst.

Im Ort kam dann allerdings die erste "Ernüchterung". Alle 30 Sekunden piepte das System lautstark mit dem Hinweis, ich schneller als 50 KM/h fahre. Und das Gnadenlos. Also keine Toleranz. (Ok, notiert, vor dem zweiten Test in den Einstellungen suchen, ob es eine Schwelle gibt ca. 5km/h Toleranz.) 

Unterdessen informierte das System über eine Verkehrsstörung auf der Route. Diese hatte es per eingebauten Verkehrsfunk-Empfänger bekommen und als Splitscreen rechts angezeigt, mit genauen Infos wo und wie lange mit einer Störung zu rechnen ist. Die Baustelle war wie angekündigt kein Problem. Unsere Ankunftszeit stimmte natürlich nicht ganz, weil ich nicht mit Wohnwagen-Geschwindigkeit unterwegs war. Diese Wohnwagen-Geschwindigkeit legt das System übrigens auch einfach fest, was bedeutet - bei Wohnwagen geht das System von 100km/h zulässiger Höchstgeschwindigkeit aus, bei Wohnmobilen abhängig vom Gewicht. Änderungen nicht möglich. 

Praxis-Test II

Vor der Fahrt habe ich noch einmal Anleitung und Online gesucht, aber die Geschwindigkeit kann weder angepasst noch die Toleranz erhöht werden. Aber bevor wir meckern, schauen wir doch mal in einem richtigen Praxis-Test mit dem Wohnwagen wie groß das Problem ist. 

Also unsere Strecke führt uns von Bad Lauterberg im Harz auf den schönen Camping-Platz Achtern Diek bei Otterndorf. Laut ADAC Routenplaner ungefähr 5 Stunden und 8 Minuten, und 337.9 Kilometer. Das Garmin zeigt in der Routenplanung (also ohne Verkehrsinfos) eine sportliche Reisezeit von 4 Stunden und 35 Minuten sowie 339 Kilometer

Lange Rede kurzer Sinn, wir brauchten eine Stunde länger als geplant, hinter Bremen gab es einen Platzregen, so das wir nicht schneller als 30km/h fahren konnten. Aber bereits in Hannover war klar, dass die Prognose zur Ankunftszeit und Fahrtdauer vom Garmin überhaupt nicht passte. Trotz wenig Verkehr korrigierte das Gerät unsere Zeit um Minute zu Minute nach hinten. 

In Altenbruch wollte uns das Garmin bereits von der Bundesstraße auf eine schmale Landstraße lotsen. Da ich die Strecke mir vorher beim ADAC angeschaut hab, sind wir aber der Bundesstraße bis Otterndorf treu geblieben. Die Kreisstraße von Altenbruch wäre mit dem Wohnwagen doch eher eng geworden. Hier hätte ich mir von der Wohnwagen-Navigation mehr erhofft.

Die Rückfahrt war besser. Die Berechnung vom ADAC passte. 

Wirklich gut funktioniert hat generell die Ansage und Navigation allgemein. Das System hat rechtzeitig informiert, sich passend einzuordnen. Die Verkehrsstörungen kamen über die Internet-Kopplung bereits für die ganze Route. 

Weitere Tests

Auch bei unseren weiteren Fahrten z.B. in die Lüneburger Heide oder nach Leipzig stellten sich die gleichen Probleme ein. Die Ankunftszeit war nie wirklich nutzbar. Es geht hier nicht um Pausenzeiten oder Staus sondern einfach um die normale Fahrzeit. Alles andere funktioniert passabel.

Garmin-Support / Klärung der Punkte

Nachdem ja nun einige Punkte nicht ganz so wie beworben funktionierten, habe ich mich an den Garmin-Support gewandt. Auf meine Anfrage, dass die Geschwindigkeitsberechnung nicht Wohnwagenkomforn z.B. auf 80km/h konfiguriert werden kann, kam folgende Antwort:

Antwort 1

Bitte Melden Sie den Fehler der Routenführung unter folgenden Link

Nach einigem Hin- und Her. Nicht-Beantworten, Telefonischer Nachfrage und Nerven per Mail folgende Aussage:

Antwort vom Garmin Support

… Das Camper-Navigationssystem ist sowohl für PKW und Wohnmobil-Benutzung geeignet. Für diese 2 Fahrzeugtypen gibt es je einen separaten Modus.
Der Camper bietet spezielle Routenoptionen für Wohnmobile und PKW´s. So können für Wohnmobile/Wohnwagen relevante Einschränkungen (z. B. Höhe, Länge, Breite, Gewicht) berücksichtigt werden.

Die in diesem Zusammenhang eingegebenen Abmessungen bzw. Transporteinschränkungen werden bei der Navigation mit dem Camper entsprechend berücksichtigt.
Das Gerät zeigt darüber hinaus mögliche Gefahrenpunkte wie Gefahr der Bodenberührung, Seitenwinde, enge Straßen, Schafe Kurven, Starke Steigung/Starkes Gefälle und Bundesland-, Provinz-, und Ländergrenzen.
Bei der Verwendung im Wohnmobil-Modus orientiert sich der Camper am LKW Routing und berücksichtigt die hinterlegten Parameter wie Höhe, Länge, Breite und Gewicht bei der Routenauswahl und Berechnung entsprechend.

Bezüglich der angezeigten Geschwindigkeitslimits greift der Camper bei einem Gesamtgewicht von bis zu 3,5 t auf die Geschwindigkeitsklassen im PKW-Modus zurück.
Für Wohnmobile mit einem zulässigen Gesamtgewicht von mehr als 3,5 t finden dagegen die Geschwindigkeitsklassen der Kategorie LKW bis 7,5 t Anwendung.

Geschwindigkeitsklassen sind dementsprechend im Kartenmaterial kategorisiert.

Bisher gibt es leider keine eigene Geschwindigkeitsklasse für Wohnmobile/Wohnwagen daher muss auf die bestehenden zurückgegriffen werden.
Bitte haben Sie Verständnis, dass eine Geschwindigkeitsklasse, für Ihr individuell gewähltes Profile, derzeit nicht zu Verfügung steht. >>

Sollte das Kartenmaterial in der Zukunft eine solche Klassifizierung erlauben, wird dies vom Gerät berücksichtigt werden…“
Wenn Sie das Gerät zurückgeben möchten, wenden Sie sich bitte diesbezüglich an Ihren Händler, bei dem Sie das Gerät gekauft haben.

Fazit:

Wir reden hier über ein 300 EUR teures Gerät mit der Beschriftung "Camper". Dies kann man bei der Werbung auch verlangen und erwarten. In der Schule würde man die Note 4 ausreichend vergeben, immerhin funktionieren ja Karten und Navigation gerade so. 

Ohne die Bewerbung Camping und im Reinen PKW Betrieb ist es zweifelsohne ein tolles Gerät mit dem kleinen Makel der nervigen Geschwindigkeit-Warnung, welche nur ein- oder ausgeschaltet werden kann. 

+ Das große Display mit den guten Ansagen toll.

+ Bluetooth-Funktionen wie Verkehrsupdates über das Mobiltelefon und Freisprecheinrichtung sind gut.

+ Die Verarbeitung macht einen stabilen Eindruck

- fast jedes Discounter-Gerät kann die Warnungen besser. 

+ Optionale Rückfahrkamera

Für Karten gibt es lebenslange Updates. Optional gibt es sogar eine Rückfahrkamera, leider werde ich diese nicht testen, weil nach dem schlechten Support-Erlebnis werde ich der Firma Garmin kein Geld mehr in den Rachen werfen. 

Das das Gerät nicht wie beschrieben arbeitet und zugesicherte Funktionen nicht vorhanden sind, sollten nicht das Problem des Händlers sein - zumal diese erst während der Nutzung auffallen. Mit dem Wohnwagen ist man auch nicht sofort nach Kauf unterwegs.

Hier lässt Garmin den Kunden im Regen stehen. Das Garmin Camper 660 LMT soll besser sein, aber warum sollte ich es jetzt noch testen? Für Q1 2017 hat Garmin übrigens den Nachfolger des 760 angekündigt.. ob der besser mit Wohnwagen umgehen kann? 

Tags: Camping, Ausrüstung

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